In der an "hoher" Dichtung orientierten Darstellung deutscher Literatur wird
Ringelnatz meist verkannt. Dabei hat dieser Klassiker der literarischen Groteske mehr als
bloße Nonsensdichtung geschaffen und selbst in seiner Nonsensdichtung mehr poetische
Kreativität bewiesen als mancher "seriöse" Dichter.
Joachim Ringelnatz, mit bürgerlichem Namen Hans Bötticher, am 7. August 1883 im
sächsischen Wurzen geboren, verließ ohne Wissen der Eltern vor dem Abitur die Schule, um
zur See zu fahren. Danach übte er verschiedene Berufe in mehreren Ländern aus. Seit 1909
war Ringelnatz Hausdichter im Kabarett "Simplicissimus" in München.
Im I. Weltkrieg bei der Marine eingezogen, kehrte er 1920 wieder dorthin zurück.
Später trat er auch in dem Berliner Kabarett "Schall und Rauch" auf. In Berlin
ist er am 17. November 1934 gestorben. Seine spöttischen und grotesken Gedichte, im
Moritaten- und Bankelsängerton, gefielen besonders wegen ihrer sprachspielerischen
Elemente ("Wenn ich zwei Vöglein wär, und auch vier Flügel hätt..."). Unsinn
mischte sich mit Tiefsinn. Zu ironisch-frivolem tritt oft ein moralisierender Unterton.
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