Das Volk pries ihn als "gekrönten Menschenfreund".
Während seine Mutter Maria Theresia mit ihm schwanger war, erlitten ihre
Habsburgischen Erblande den schwersten Verlust. Friedrich der Große entriß ihr
Schlesien. Der Sohn Joseph, am 13. März 1741 in Wien geboren, wurde 1765 Kaiser als
Nachfolger seines Vaters Franz I. Stephan und Mitregent
der Mutter in den habsburgischen Erblanden.
Der junge Herrscher wählte sich ausgerechnet diesen Friedrich zum Vorbild, in der
expansiven Außenpolitik wie in den Reformbemühungen nach innen. Gegen den Willen der
Mutter setzte er 1772 die Teilnahme Österreichs an der 1. polnischen Teilung (Gewinn
Galiziens) durch und annektierte 1775 die türkische Bukowina; seinem Plan einer Erwerbung
Bayerns trat Friedrich der Große im Bayerischen Erbfolgekrieg entgegen.
Beim Versuch, ein zentralistisch verwaltetes Reich mit deutscher Staatssprache zu
schaffen, sah sich Joseph II. wütender Gegenwehr der betroffenen Völkerschaften
entgegen. Der Adel mißbilligte seine Bauernbefreiung (1781) und seine gegen die
Stände gerichteten Maßnahmen (Grundsteuer), die Kirche war über Aufhebung vieler
Klöster, verstärkte Staatsaufsicht und über das Toleranzpatent (1781), die
Sicherheitsbehörden warnten vor der Milderung der Zensur und dre Abschaffung der Folter -
nur das Volk feierte den frischen sozialen Wind und verehrte den leutseligen Monarchen,
der sich schon mal inkognito unter die Untertanen mischte.
Die letzten Jahre überschatteten Erhebungen in Ungarn (1788/90) und in den
Niederlanden (1789/90), Joseph II., einer der Hauptvertreter des aufgeklärten
Absolutismus, starb am 20. Februar 1790 kinderlos in Wien.
Daher wurde sein Bruder Leopold II. sein Nachfolger.
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