Zwar sind nur wenige Daten aus dem Leben Jesu gesichert, doch ist die Wissenschaft von
der Existenz des Menschen Jesus als historische Persönlichkeit überzeugt. Er wurde wohl
um das Jahr 4 oder 3 vor unserer Zeitrechnung als (vermutlich) ältester Sohn des
Zimmermanns oder Schreiners Joseph und der Maria wahrscheinlich im Dorf Nazareth in
Galiläa geboren.
Nach einer verläßlichen Quelle schloß sich Jesus im Jahr 29, dem 15. Regierungsjahr des Kaisers
Tiberius, dem Bußprediger und Täufer Johannes an, sammelte wohl erst nach dessen
Hinrichtung durch Herodes Antipas einen Schülerkreis um sich. Danach predigte er als
Wanderprediger zunächst in Galiläa, wobei er angeblich auch Kranke heilte und von
Dämonen Besessene behandelte.
In den etwa drei Jahren, während derer Jesus öffentlich seine Lehre verbreitete,
geriet er schon früh in Konflikt mit den Pharisäern, jener religiös-politischen
Gruppierung, die der jüdischen Tradition verpflichtet war und dem Urchristentum
nahestand. Sie wandte sich gegen den "Menschensohn" und seine Weigerung, die
Allgemeingültigkeit der jüdischen Lehre anzuerkennen.
Als Jesus mit seinen Jüngern schließlich in Jerusalem einzog, wohl um in der
Beziehung zu seinen Gegnern eine Entscheidung herbeizuführen, kam es zum offenen
Konflikt. In dessen Verlauf wurde er durch den Hohepriester verhaftet, danach vor dem
Synedrium, dem Hohen Rat der Juden, wegen Gotteslästerung angeklagt und schließlich zum
Tode verurteilt.
Da der Verkünder der neuen Lehre jedoch inzwischen hohes Ansehen bei breiten
Bevölkerungsschichten genoß, übergab man ihm der römischen Gerichtsbarkeit. So
erfolgte seine Hinrichtung unter Pontius Pilatus, 26-36 Prokurator der Provinz Judäa, der
ihn wegen Hochverrats nach vorheriger Geißelung wohl im Jahr 30 kreuzigen ließ.
Die Jesus- Forschung ist in erster Linie auf die Evangelien des Neuen Testamentes
angewiesen, obwohl es auch (einige wenige) außerbiblische Quellen gibt, unter anderem
Josephus, Flavius und Tacitus. Die Auferstehung Jesu ist zwar nicht faßbar, gehört aber
dennoch zu seiner Geschichte, da erst der Glaube an die Verkündigung zur
Auseinandersetzung mit dem irdischen Jesus geführt hat.
Im Mittelpunkt seiner Lehre steht das Kommen des Gottesreiches, das er noch selbst
erwartete, dessen Zeitpunkt er jedoch offenließ. Er forderte innerliche Umkehr durch
Buße, predigte Gottes- und Nächstenliebe, und zwar in radikaler Konsequenz bis hin zur
Selbstaufgabe, sowie ein Leben der Wahrhaftigkeit und Sittlichkeit.
Das Christentum begreift ihn als Gottes Sohn, der die Menschheit erlöst hat und zu
Gott führen soll. Während ihn die jüdische Lehre zögernd als Propheten anerkennt, wird
er im Islam als Nachfolger Moses und Vorläufer Mohammeds gesehen.
Jesus von Nazareth
"Christus auf dem Thron", Mosaik aus dem 4. Jahrhundert
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