Zu den undurchsichtigsten Figuren der Epoche Hitlers gehört sein Geheimdienstchef
Admiral Wilhelm Canaris. Der gebürtige Westfale (Aplerbeck bei Dortmund am 01.Januar
1887) war seit 1905 bei der Marine, 1924-28 in der Marineleitung und seit 1935 als
Vizeadmiral (1940 Admiral) Leiter des Amtes Ausland/Abwehr im Kriegsministerium (seit 1938
Oberkommando der Wehrmacht). Abgestoßen von Hitlers Risikopolitik und dem Vorgehen gegen
die Wehrmachtführung 1938 in der Fritsch-Krise, ging der Nachrichtendienstchef auf
Distanz zu seinem obersten Dienstherrn und machte sein Amt zu einem Zentrum des
Widerstandes, in dem vor allem der Leiter seiner Zentralabteilung, Oberst Oster, eine
führende Rolle spielte.
Wegen der unstreitigen Erfolge von Canaris blieb das Doppelspiel (für das Reich, gegen
Hitler) lange unentdeckt. Mit wachsender Kriegsdauer aber schwand sein Einfluß, zumal ihm
angelastet wurde, daß er die alliierte Landungen nicht beizeiten erkannt habe. Im Februar
1944 kaltgestellt, wurde Canaris nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944
verhaftet, ins KZ Flossenbrück eingeliefert und dort nach improvisiertem Standgericht am
9. April 1945 gehenkt.
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