Humphrey Bogart
Inbegriff aller Bogart-Rollen ist und bleibt Rick, Inhaber eines Cafés in
"Casablanca". Von den Umständen hart geworden, ist er immer noch empfänglich
für die Reize Ingrid Bergmanns, doch schließlich siegen seine Ehre und
Selbstbeherrschung über die Macht der Liebe. Mit dieser Darstellung wurde Bogart zum
Vorreiter eines neuen Männerbilds: Der intelligente Zynikers am Rande der Gesellschaft,
der seinem eigenen Ehrenkodex folgt und nur selten den weichen Kern unter seiner rauhen
Schale sehen läßt, weil er das dann drohende Chaos ahnt. Erst zu Beginn der sechziger
Jahre avancierte "Casablanca" zum Kultfilm und mit ihm Bogart zum Idol.
"Bogie"-Fans, die meist jünger waren als der Streifen selbst, kannten ganze
Teile des Dialogs auswendig, vor allem Schlüsselsätze wie "Ich schau dir in die
Augen, Kleines", "Wir haben immer noch Paris" oder "Die Probleme von
drei unwichtigen Menschen spielen in dieser verrückten Welt nun wirklich keine
Rolle". In einer Zeit der Katastrophen, angesichts von Kaltem Krieg, Korruption und
Umweltzerstörung, suchte und fand man in dieser zynisch pessimistischen und zugleich
romantischen Figur ein wahres Vorbild.
Kleinwüchsig, fast dicklich und keinesfalls nach allgemeinen Maßstäben
"hübsch", hatte Bogart sich während der dreißiger Jahre vor allem mit dem
Fach "Harter Bursche" zu begnügen. Warners stand dem romantischen Helden Bogart
etwa so skeptisch gegenüber, wie Marta Toren in "Sirocco - Zwischen Kairo und
Damaskus": "Wie kann ein häßlicher Mann nur so attraktiv sein?" Als
Bilanz seiner ersten vierunddreißig Filme berichtet Bogart einmal, er sei zwölfmal
erschossen, achtmal auf dem elektrischen Stuhl oder dem Strang hingerichtet worden und
habe neunmal im Knast gesessen. Seine rauhe, unvergleichliche Stimmlage paßte zum
Gangster-Image; es klang so, als hätte er den Mund voll Eisenspäne, dazu kam ein
schwaches, später gern imitiertes Lispeln. Doch seine verletzliche Härte, sein
beiläufiger Charme, die richtige Mischung aus Distanz und Intimität kennzeichneten den
großen romantischen Helden.
Bogart debütierte als jugendlicher Liebhaber auf der Bühne. Seine Filmkarriere begann
bei Fox, wo er unter anderem "Up the River", 1930, mit Spencer Tracy drehte; die
lebenslange Freundschaft zwischen den beiden nahm hier ihren Anfang. Fox verlor wieder das
Interesse an ihm und erst 1936 stand er für "Der versteinerte Wald" bei Warners
wieder vor der Kamera, Leslie Howard hatte sich für ihn in der Rolle des Duke Mantee
eingesetzt, da er damit auf der Bühne großen Erfolg gehabt hatte.
Auch in Hollywood gelang Bogart mit diesem Part der Einstieg. Als Stamm- Gauner spielte er
in der Folge für Warners in so bekannten Gangsterfilmen wie "San Quentin" von
1937 und "Nachts unterwegs", 1940.
Es folgten einige der späteren Bogart-Klassiker: 1941 der einsame Held in
"Entscheidung in der Sierra", 1942 der Sam Spade in "Die Spur des
Falken", im gleichen Jahr "Casablanca" und 1944 die Hemingway- Verfilmung
"Haben und Nichthaben" mit einer unbekannten Partnerin namens Lauren Bacall. Sie
war zwanzig, er fünfundzwanzig, doch schon bald ließ Bogart sich von der flatterhaften
Blondine Mayo Methot scheiden, die es im Trinken und Zuschlagen stets mit ihm aufgenommen
hatte, und heiratete die junge Bacall. Die unterschwellige Erotik der beiden machte sowohl
"Tote schlafen fest", 1946, als auch "Gangster in Key Largo", 1948, zu
einem Ereignis. Betrachtet man ihr perfektes, spannungsgeladenes Zusammenspiel, drängt
sich das Urteil auf, daß echte Liebende auch die besseren Leinwandpaare sind. Sieht man
von dem Kitzel für das mitwissende Publikum ab, muß man auch Bogart und der Bergman ein
prächtiges zusammenspiel attestieren: Rick sarkastisch, kalt und hart, Ilsa dagegen
sensibel, sanftmütig und offen. Es gibt zwar das Gerücht, Bogart habe eine ziemliche
Aversion gegen seine Partnerin gehabt, doch vielleicht gab genau das dem endgültigen
Abschied der beiden einen besonderen Aspekt.
Zu einer Zeit, die allgemein vom Konservatismus geprägt war, unterstützten Bogart und
die Bacall lautstark Adlai Stevenson und die Demokraten. Zu Bogarts Privatleben gehört
noch sein Hang zum Alkohol und ein paar krumme, nie ganz geklärte Geschichten. Nachdem er
den Zenit des Erfolges überschritten hatte, tauchte er immer noch in einigen guten Filmen
auf, darunter "Einsamer Ort", 1950, mit Gloria Grahame, "Der Schatz der
Sierra Madre", 1948, "Die Caine war ihr Schicksal", 1951, und "African
Queen", 1951, mit Kathrine Hepburn. Sein letzter Film war "Schmutziger
Lorbeer", 1956, bevor er 1957 an Krebs starb.
Photos von Humphrey Bogart
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Diese Biographie präsentieren wir Ihnen als Gastbeitrag von Cethegus (nicht von uns bearbeitet oder verantwortet)